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Ein Notting Hill aus dem Leben
05.06.2020 19:14

Am Sonntag lief im ZDF der Liebesfilm "Notting Hill" als Wiederholung. Obwohl Liebesromane nicht gerade zu meinen Topfavouriten zählen, hinterlässt dieser Film doch einige bleibende Erinnerungen und Eindrücke in mir, sehr schöne, aber auch sehr bedrückende nachdenkliche. Ich sah damals diesen Film an einem superschönen Sommerabend, OPEN AIR auf dem Rathausplatz in Lippstadt. Es war das 1. Mal, dass ich unter freiem Himmel auf einer großen Leinwand einen Film zu Gesicht bekam. Die Stimmung war auf dem Höhepunkt der Sehnsucht, als die wunderschöne Ballade von Ronan Keating laut zu hören war. Es war wirklich ein super Abend in einer echt harmonischen Atmosphäre. Weltklasse!

 

Das Schöne an solchen Filmen ist auch, dass sie überwiegend beim weiblichen Geschlecht auf reges Interesse stoßen. So war es natürlich auch auf dem Lippstädter Rathausplatz, wo ein deutlich weiblicher Überhang zu verzeichnen war. Ja, das war ein Bild, absolut nach meinem Geschmack :) Zwei Reihen vor mir saß ein süßes sympathisches  Mädel, mit der sich meine Blicke häufig kreuzten. Wir lächelten uns lieb bei jeder Gelegenheit an. Leider  wurde diese Verbindung unterbrochen, nachdem mein Handy klingelte und ich erfahren hatte, dass meine Hilfe anderswo benötigt werde. Ja, ich hätt gern da weiter gemacht, um mehr zu erfahren, obwohl ich normalerweise schon ziemlich zurückhaltend bin. Aber kann man überhaupt immer gleich sicher darauf schließen, dass es sich tatsächlich ums ernsthafte Flirten handelt? Interpretiert man da nicht auch gern mal etwas sehr schönes mit hinein, wenn Wunschdenken die Realität nahezu ungehindert ausblenden könnte? Davon handelte teilweise auch der Film, in dem ein regelrechts Gefühlchaos zwischen "Sie liebt mich" und "Sie liebt mich nicht" mehrfach zum Ausbruch kam.

 

Im wahren Leben hinterlassen solche Unklarheiten wie im Film, die an eine Achterbahnfahrt der Gefühle erinnern, in der Seele meist deutliche Spuren, die sehr schmerzhaft und prägend sind. Manchmal sieht man sich dazu genötigt aufzugeben, jedoch nicht nur allein deshalb, um sich selbst vor Schmerzen zu schützen. So tat es im Film, nach langem hin und her, auch William, der von Hugh Grand glänzend gespielt wurde. Er knickte jedoch ein, als er erfuhr, dass sie wieder in der Stadt sei. Mit vielen positiven Gefühlen und sichtlicher Vorfreute im Gepäck, führte sein Weg direkt zu ihr. Als sie ihn schon von weitem sah, sagte   zu ihrem ihrem Kollegen diesen einschneidigen Satz:

 

"Ich weiß nicht, was der noch von mir will" 

 

Sie ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er ihre Worte hören konnte und deshalb schon wieder mehr als bitter enttäuscht war. Auch wenn es im Film einen glücklichen Ausgang gab, heißt das noch lange nicht, dass die eigene Realität eine ähnliche ist. Wenn es die Umstände nicht zulassen wollen, weiß man schließlich nicht, was die andere Person tatsächlich von einem denkt, was sie tatsächlich fühlt. Menschen, wie ich, die sich anderen wichtigen Menschen nur langsam herantasten wollen oder können, haben es demnach nicht immer leicht. Mag sie einen überhaupt oder macht sie doch nur gute Miene, um nicht unhöflich oder gar verletzlich zu sein? Wenn man das nicht sicher in Erfahrung bringt, kann sowas auch rasend schnell zur nervigen Belästigung führen, wenn man nicht rechtzeitig die Reißleine zieht. Da mir das vor einigen Jahren einmal passiert ist, bin ich sehr vorsichtig geworden, denn das tut ziemlich weh.

 

Eine Frage taucht nun immer wieder auf:

Belästigt, verletzt, enttäuscht man jemanden und / oder wird man selbst verletzt und enttäuscht?  

 

Das gehört wohl zu den schlimmsten Befürchtungen, die solche völlig unklaren Gegebenheiten beherbergen könnten. Manchmal regieren zudem blöde Missverständisse über den eingeschlagenen Weg, die dann das Ziel gnadenlos verpassen lassen. "Liebe ist gar nicht so schwer!? Manchmal aber wohl doch, wenn man stets defensiv agiert! Ja, der Film ist aus dem Leben, mit allem Guten und allem Schlechten. Ich seh mich charakterlich in der Rolle von Hughes Grand, alias William Thaker, deutlich gespiegelt. Ein bisschen Notting Hill sind wir doch alle, oder?

 

Und ja, dieser Text wird sicherlich noch verändert, ergänzt und verbessert werden...

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